Sonntag, 20. September 2015

Der Welt beim Atmen zusehen - Im Café "Zum schönen René"



Ich hob unvermittelt den Kopf und spähte aus dem Fenster, als hätte jemand dagegen geklopft, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Tatsächlich war es nur der Regen, der dort vor den Scheiben sein nasses Lied vor sich hin plätscherte und ein sanftes Lächeln umspielte meine Lippen, als ich mich seufzend zurück lehnte und mich ganz und gar in meiner kleinen, zauberhaften Welt einmummelte, so wie man einen besonders kuschligen Pullover immer fester um sich schlingt, während ich der Welt beim Atmen zusah. 

Woran mag es bloß liegen, dass mich die Muse ausgerechnet immer dann küsst, wenn ich meine Füße in ein Café setze? Ist es der Geruch von frisch gemahlenem Kaffee oder das cremige Gefühl von Kuchen auf der Zunge? 

Lola Applepie - die Protagonistin meiner Applepie Stories, ist auch Besitzerin eines süßen kleinen britischen Cafés mitten in Südengland und wenn ich ehrlich bin, ist diese Geschichte nicht nur zu einem Großteil in Cafés entstanden, sondern ich liebäugle sogar schon länger mit dem Gedanken irgendwann selbst Besitzerin eines kleinen, zauberhaften Cafés zu werden, in dem ich dann "Fairy Cupcakes" mit einem geheimnisumwogenen Lächeln serviere und dabei ein "Verzehr auf eigene Gefahr!", säusele, während mir meine Gäste daraufhin ein verdutztes wenngleich sehr neugieriges Lächeln schenken. Für die, welche die Applepie Stories noch nicht kennen: die Fairy Cupcakes sind magische Gebäcke, die einem - teigigen Ginis gleich - jeden Wunsch erfüllen, sobald sie erst verzehrt worden sind ... Leider mit nicht ganz so schönen Nebenwirkungen ... neugierig? Dann erfahrt ihr hier mehr:  http://bit.ly/1NEECtj


Ich lehnte mich also seufzend an den schönen René (nein, kein neuer Lover, der Name des Cafés in dem ich saß ist "Zum schönen René") und nippte an meinem Latte Macciato, von dem ich vorher in nicht unauffälliger Blogger-Manier natürlich aus allen möglichen Positionen Fotos geschossen hatte. Ich denke mir schon gar nichts mehr bei all den belustigten Blicken, die mir dabei zusahen, wie ich mit liebevollem Eifer meinen Tisch umräumte, wie ein ehrgeiziger  Starfotograf davor auf und abtripelte, als führte ich ein bizarres Ballett auf, und ganz selbstverständlich und stolz meine Handykamera davor platzierte, als hielte ich das neueste Canon-Modell in den Händen. Mein "Fotografen-Ballet" praktizierte ich mit einem solchen Eifer - man sollte meinen, mir wäre vorhin ein dampfendes Glas "George Clooney" serviert worden. Aber gut. 

Man wird sich jetzt vielleicht fragen, was mich in die Arme des "schönen Renés" lockte. René befindet sich nur einen Katzensprung vom Würzburger Bahnhof entfernt und war somit die perfekte Anlaufstelle für mich, um in gemütlicher Atmosphäre nicht nur dem Regen zu entfliehen, sondern auch ganz entspannt auf meinen nächsten Zug in die Heimat zu warten. 



Ich war schon öfter daran vorbei gelaufen, wenn ich Würzburg besuchte, hatte aber noch nie die Gelegenheit dazu gehabt das Innere genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei lädt das bunte "shabby chic"-Ambiente durchaus zum Verweilen ein und versprüht  seinen ganz eigenen Charme, dem sich ein GLÜCKSkind natürlich nicht so leicht entziehen kann. Auch wenn mein Tisch etwas klebrig war und ich mich unweigerlich fragen musste, wann dieser wohl das letzte Mal Bekanntschaft mit einem Lappen gemacht hatte, genoss ich meinen Aufenthalt sehr. Später sollte ich dann noch erfahren, dass dort auch Abendveranstaltungen stattfinden, was den leichten Biergeruch in der Luft, den ich doch nicht ganz zu ignorieren vermochte, erklärte. Am helligten Tag jedoch war nichts zu sehen von angeschwipsten Partygästen, die ausversehen Bier auf den Tischen verschütteten, woher besagtes Kleben stammen könnte - wenn ich nun weiter meine Gedanken um dieses Mysterium kreisen lasse. 
Mein Latte Macciato wurde mit Dinkelkeks serviert, die Bedienung - ein netter junger Mann der hinter der Theke offenbar auch die elektronische Musik mit seinem Mac regelte - war freundlich und begrüßte mich beim Eintreten mit einem breiten Lächeln. Zwar hätte ich mich noch wohler gefühlt, hätte es im Hintergrund etwa sanfte Jazzmusik oder Klassik gegeben, aber ich werde jetzt nicht zimperlich sein, da ich ohnehin zu beschäftigt damit war die kreative Einrichtung zu bewundern. Wenn ihr also das nächste Mal in Würzburg seid, stattet dem charmanten René einen Besuch ab - denn auch wenn es dort keine "Fairy Cupcakes" gibt - er freut sich bestimmt - und wer weiß, vielleicht gibt er euch ja auch einen (Musen-)Kuss mit, der in meinem Fall dieser kleine Blogeintrag für euch war. 






















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