Sonntag, 21. Juni 2015

Chapeau Paris! ♥


"Weil wir so oft im Leben etwas verlieren, ohne zu merken, dass wir in Wahrheit etwas gefunden haben - und wenn es 'nur' eine Geschichte ist!"

Meine Ankunft in Paris lief nicht so romantisch ab, wie man das vielleicht erwarten könnte. Obwohl ich im Nachinein sagen muss, dass ich doch eine herrlich leichte Art und Weise gefunden habe mit dem kleinen Malheur umzugehen, das sich ereignete, als ich noch nichts ahnend unter dem schützenden Dach der U-Bahnstation "Lamarck-Coulaincourt" ins Freie trat. 

Ich weiß gar nicht mehr, ob Jazzmusik die Luft erfüllte. Es wäre zumindest naheliegend, denn gleich links von uns befand sich ein kleines Bistro mit dem Namen "Le Lamarck", welches mit seinen typischen kleinen französischen Tischchen und Stühlen, die es allesamt zuließen von ihrem Standpunkt aus vorbei laufende Passanten neugierig in Augenschein zu nehmen, sogleich helle Verzückung in mir hervorrief! Ich musste schon ein paar Schritte gehen, meine Nase in die fremdländische Luft halten, dabei feststellen, dass Paris ganz und gar nach Glück duftet, und mir mit einer ausschweifenden Geste durch die Haare fahren, wie ein junges Mädchen, das leicht errötend spürt, dass sie sich soeben verliebt hat. Doch da fiel es mir dann doch auf: Mein Kopf fühlte sich so frei an ... ich tastete nochmal, wie als könne ich nicht glauben, dass der feine, weiße Hut, der dort die letzten Stunden meinen Kopf geziert hatte, wahrhaftig nicht mehr dort war, wo ich ihn vermutet hätte! Entsetzt schnappte ich nach Luft, weil es sich anfühlte, als hätte man mir einen kostbaren Freund weggenommen, dessen Verlust ich in diesem Moment nicht fassen mochte. 

Wir waren uns in Südfrankreich begegnet. An einem Tag warm und sonnig, sodass man das Gefühl hatte, die Sonne würde einem bei jedem Schritt in eine innige Umarmung schließen. Schon seit Tagen lag ich meinem GLÜCKSfreund in den Ohren, dass ich einen schönen Sonnenhut bräuchte - doch egal wie sehr ich meine Augen danach offen hielt, ich hatte noch nicht den Richtigen ins Visier nehmen können. 

Monaco sollte alles ändern. Ich war hellauf begeistert von jener mondänen Stadt, die nicht nur durch ihre pompösen Jachten und Casinos besticht, sondern einen ganz eigenen Charme versprüht, dem ich schneller verfiel, als der hungrige Hund einem saftigen Würstchen. 

Zwischen den engen Gassen von Monacos Altstadt, die auf einem Hügel liegt von dem aus man einen fantastischen Ausblick hat, sollte ich ganz verzückt vor einem kleinen Laden stehen bleiben und dort zwischen zwei relativ ähnlichen Hüten hin und her überlegen. Da ich die eigentümliche Angewohnheit habe meinen Kopfbedeckungen Namen zu geben, sollte es schließlich die hübsche "Bella" sein, welche meinen Kopf fortan verschönerte und mich dabei vor zu innigen Sonnenküssen bewahrte. Bella sollte auch nach unserem Ausflug meine Erinnerung an jenen magischen Tag in Monaco am Leben halten und etablierte sich zu einer echten Favoritin.



Kein Wunder also, dass ich ihr Paris vorstellen musste. Nun war Bella aber so sehr begeistert, dass sie sich sogleich leidenschaftlich in die Arme der Stadt der Liebe schmiss und mir damit ein klein wenig das Herz brach, weil ich doch einmal davon überzeugt gewesen bin, nur wir beide könnten für einander bestimmt sein.

Tage später, sollte ich eine kleine Geschichte auf eine Postkarte aus Paris schreiben, die mir ihren Verlust einigermaßen erträglich macht - wenn nicht sogar willkommen!



"Es gibt eine kleine, zauberhafte Geschichte, die sich vor nicht allzu langer Zeit in Paris ereignete. An einem sommerleichten Tag, an dem ich mit meinem Liebsten zum ersten Mal seit vielen Jahren einen Fuß auf das Wunder-Trottoir der Stadt der Liebe setzte, verlor ich etwas. Ihr werdet wohl staunen, wenn ich euch berichte, dass es nicht etwa mein Herz war - welches ich doch schon vor langer Zeit an einem geheimen Ort entlang der Seine eingepflanzt hatte, auf dass dort ein Baum voller bunter Blüten Inspiration sprießen möge! Es war meine schöner weißer Hut aus Monaco, der seither an fast jedem Sonnentag meinen Kopf zierte. Erst war ich ganz traurig, bis ich schließlich vollkommenes Verständnis für meinen Hut aufbringen konnte: Bella hatte sich in die leidenschaftlichen Arme von Paris geschmissen, als wären sie zwei Verliebte, die seit langer Zeit endlich wieder zueinander gefunden hatten und ich würde ihr hier wieder begegnen - irgendwann - wie einer alten Freundin und vielleicht sogar, wenn ich Paris auch mein Zuhause nennen darf."

Was für ein herzerfrischender Gedanke, nicht wahr? Plötzlich wurde aus einer kleinen Tragödie ein geheimes Lebensziel und eine kleine Quelle der Inspiration! A bientot zum nächsten, kleinen Paris Erlebnis!







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