Dienstag, 14. Februar 2017

Wo sich die Liebe versteckt



Ich glaube, heute ist es wieder soweit. Ausnahmezustand vom Feinsten. Wenn ich später in die Stadt fahre, werde ich ganz viele Menschen mit einer Tüte in den öffentlichen Verkehrsmitteln beobachten können. Keine Tüte voller Geschenke, die verheißungsvoll glitzern, wenn man es schafft einen kurzen Blick von oben auf sie zu erhaschen. Weihnachten ist schon ein bisschen her, Leute. Also nein, ich rede von einer anderen Tüte.

Früher hat mir meine Mama solche Tüten auf Busreisen mitgegeben. So eine Tüte soll nämlich assistieren, wenn der eigene Mageninhalt beschließt eine kunstvolle Darbietung auf den Schuhen des Sitznachbarn zu machen.

Umgangssprachlich also ein Kotzbeutel. Da! Es ist raus! Das Rätsel ist gelöst. Ein Kotzbeutel. Irgendwie ernüchternd. Andere haben womöglich auf eine Tüte Gras spekuliert. Ne - heute geht's wesentlich unappetitlicher zu. Vergeblich wird man an diesem Tag jedoch einem verdorbenen Hühnchen oder Ei die Schuld an einem derartigen Malheur geben können.

Verantwortlich sind die turtelnden Pärchen, welche mit überdimensionalen Teddybären (die jedem Übergewichtigem an Bauchumfang Konkurrenz machen) durch die Straßen flanieren, die Herzluftballons, Pralinenschachteln und "Schnuggiputzi" und "Schnazelschnuzies"die heute, am Valentinstag, wie eine nicht endende Kakofonie dem ein oder anderen Singel um die Ohren tanzen werden.

Habe ich noch ein Klischee vergessen? Wenn schon, dann will ich mir richtig Mühe geben. Achso ja - das Wichtigste! Wie konnte ich nur? Blumensträuße! Blumensträuße, so groß, als hätten sich alle Männer dieser Stadt geschworen sich dieses Jahr einen exklusiven Platz im Guinessbuch der Rekorde zu sichern. Als ... ähm ... stärkster Rosenkavalier? Schließlich gestaltet es sich als überaus umständlich mit 1000 Rosen vor der Nase der Liebsten einen überschwänglichen Begrüßungskuss zu geben.

Nehmt's mir nicht übel. Aber ich wäre dafür, dass die Kotzbeutel heute mal zu Hause bleiben. Der Grund? Liebe ist etwas Schönes und wird manchmal ganz furchtbar missverstanden. Außerdem ist das doch völliger Quatsch. Denkt doch mal drüber nach! Die verliebten Pärchen sind auch an anderen Tagen im Jahr unterwegs. Wir haben also 365 mal Zeit, um uns zu beschweren - warum packen wir dann ausgerechnet am 14. Februar aus? Achja - selektive Wahrnehmung. Und die Werbung trällert einem ja auch schon seit Wochen etwas vor, damit am 14. Februar dann das Fass der Verzweiflung endgültig überlaufen kann. Raffiniert. Ich hab's verstanden.

Vielleicht ist das jetzt leicht zu behaupten von jemandem, der am Valentinstag selbst gut gelaunt mit Schokoladenpralinen in Herzform jonglieret, mit einem Grinsen im Gesicht, als wäre die "Tüte" jetzt doch mal eine andere gewesen und dabei wie eine kaputte Schallplatte die Phrase "Heute Abend wird The Notebook geguckt!" von sich gibt, als wäre der Valentinstag die wohl beste Ausrede dafür, Ryan Gosling anzuschmachten, während man von einem anderen Kerl den Nacken gekrault bekommt.

Aber Schluss der langen, überflüssig dramatischen Vorrede! Der Klischee-Klauberei und der unnötigen Phrasen, bei denen du dir immer mal wieder kurz gewünscht hast, lieber auf die neuste Klatsch-Anzeige der "Gala" geklickt zu haben, anstatt im GLÜCKSnest vorbeizuschauen.

Bringen wir es auf den Punkt: Ich liebe die Liebe! Und du musst einfach wissen, dass sie nicht immer etwas mit dem von dir so sehr gescheuten Pärchen-Dasein zu tun hat.

Sie ist viel weiter, größer, allumfassender. Aber ich habe mich schon immer gefragt, warum so viele so sparsam damit umgehen. Aber heute morgen, als mir das kalte Wasser gegen Ende meiner Morgen-Dusche jeden Funken Müdigkeit austrieb, war das Bild ganz klar: Wenn man nie gelernt hat, wo man anfangen soll - wie kann man dann irgendwas von sich geben? Wenn man nie gelernt hat, dass es mit UNS beginnen muss, mit einer Reise zu unserem eigenen, inneren Licht, zu unserer Großartigkeit!

Wir leben in einer Welt der Wahrnehmung. Das ist spannend - schließlich gibt es hier auch ganz viel Tolles zu entdecken und mit unseren Sinnen zu erleben. Doch verlernen wir mit der Zeit den Kontakt zu unserem inneren Wesen, weil wir im Außen zu bemüht nach einem Gefühl suchen, dass sich in seiner ganzen Reinheit und Wahrhaftigkeit nur in unserem Inneren finden lässt. Wir sollten den Blick wieder mehr nach Innen, in unsere Mitte wenden und der Stimme lauschen, die uns jeden Tag aufs Neue verrät was sie möchte und wozu wir eigentlich hier sind.

Als Orientierung kann dir dabei der Kompass deiner Emotionen dienen. Beachte dabei, dass es auf dieser Welt nur Emotionen geben, die der Liebe entspringen. Ja, der Liebe. Soll heißen, alle negativen Emotionen entspringen einem MANGEL an Liebe. Achte also ganz genau darauf, wie du dich fühlst und beschimpfe die "schlechte Laune" nicht, wenn sie sich an grauen Tagen einmal zeigen sollte.

Stell dir deinen Körper als Wasserglas vor und das Wasser in ihm ist die Liebe. Wenn du dich schlecht fühlst und negative Emotionen hast ist in deinem Wasserglas weniger Wasser vorzufinden, als üblich. Um mehr Wasser zu bekommen hilft es natürlich nicht Krieg gegen die Leere im Glas zu führen oder die Leere herauszuschneiden. Nein, du musst dein Glas wieder mit Wasser, also Liebe, füllen, um dich besser zu fühlen.

Vertraue also darauf, dass alles was dir widerfährt, aus Liebe geschieht und weil es dir dienen will und dass du auch die nicht so schönen Dinge irgendwann in einem größeren Ganzen als sinnvoll und vor allem wertvoll anerkennen wirst! Egal wie viele "Schuckis" und "Putzis" dir heute also ein verächtliches Knurren entlocken werden - erinnere dich daran, dein Wasserglas stets voll zu halten. Und wie durch ein Wunder könnte es sogar sein, dass genau heute der Tag ist, an dem du deine große Liebe findest ... nämlich dich selbst!









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