Samstag, 8. September 2012

Von versteckten Schätzen und anderen Kostbarkeiten ...

Meine geliebten Glückspioniere! Lasst mich ein Geständnis ablegen - ein Geständnis, das euch weit in die Tiefen jener von mir stets streng versteckten Winkel meines Lebens blicken lässt, die selbst ich zu umgehen versuchte, in der Annahme, es könnte mir aus diesen dunkelsten Ecken ein mutierter Schwarm Kakerlaken-Ratten entgegen hüpfen, die geifernden, hungrig aufgerissenen Mäuler hungrig meinem entsetzten Gesicht entgegen gestreckt! Doch ja, ihr treuen Wagabunten des Glücks, ich nahm heute all meinen Mut zusammen und stellte mich diesem von mir gefürchteten Chaos aus Spinnweben, Staubfetzen und allerlei

Ungeziefer, das da schon mal eilig über den Boden huschte, das tobende Ungetüm fürchtend, welches unbarmherzig mit seinen ausladenden Stinkfüßchen über sie hinweg stakste (tobendes Ungetüm=Glückspilzkind).
Doch beginnen wir am Anfang. Beginnen wir an einem Ort der nun aussieht, als hätten vor kurzem mindestens zwei Orkane durch ihn getobt, gekrönt von der Bombe, die dort vor einigen Stunden explodierte und den streunenden Wölfen, die sich begierig daran machten in diesem Haufen aus Unordnung ein angefahrenes Tier ausfindig zu machen, das sie dann voller Hingabe als ihr wohl verdientes Mahl zerfleischen können. Dieser Ort, jene einst so friedliche Wohlfühloase, an der kein Zentimeter Unordnung leckte, ist auch unter dem etwas ernüchternden Begriff "Mein Zimmer" bekannt, bevor all die oben erwähnten Ereignisse auf es hernieder donnerten. Doch keine Sorge, mein liebstes Stilmittel ist zuweilen die Hyperbel - ich bin bekannt dazu maßlos zu übertreiben und das aus dem einfachen Grund, weil es einfach Spaß macht und zu einer kurzweiligen Belustigung meiner Person beiträgt.
Doch mit euch, meine treuen Freunde, will ich immer ehrlich sein - denn vielleicht, ja, vielleicht tragen die von mir erwähnten Orkane doch eher den Namen meiner ungeduldigen Hände, die sich durch sämtlichen Papierkram wühlten, die Bombe den meines gesamten Körpers, der sich mit vollem Einsatz über auszusortierende Klamotten wälzte und die Wölfe - ich gestehe mit peinlich berührtem Räuspern - sollten wohl doch lieber auf meinen kleinen Katerfreund dezimiert werden, welcher neugierig über Bücherstapel und Zeitschriften sprang und sich dabei fragte, was ich hier gerade für ein Chaos veranstaltete und - WARUM?!

Es ist ganz einfach: ich ziehe um! Und weil ich nicht all den Kram mitnehmen kann, der sich im Zuge von 22 Jahren in meinem Umfeld angehäuft hat, legte ich mir dringend ans Herz ordentlich auszumisten!
Nach einem kräftigen Frühstück (Marmeladenbrot mit Marmeladen Brot und - ähm - dazu gab es dann noch MARMELADENBROT) stürzte ich mich in ein Abenteuer, das aus mir ein kleines Schlossgespenst machte - bei der Fülle an Staub der luftig leicht und in periodischen Abständen auf meinen gesamten Körper herab rieselte. Es fing, wie bereits erwähnt, in meinem Zimmer an: ich stämmte Möbel, Bücher, Tonnen von Klamotten, robbte über den Boden um die Welten UNTER meinen Möbeln ausfindig zu machen und entdeckte dabei ein Imperium aus mikroskopisch kleinen Palästen, Türmchen und Häusern, schneeweißen Wäldern und Bewohnern, so winzig, das sie nur als schwarze Punkte zwischen den stattlichen Palästen hin und her schwebten (Hyperbel, Hyperbel, geliebte Hyperbel!).
Als ich mein Werk vollbracht hatte und ein gehöriger Teil meines Besitzes auf einem großen Haufen zusammenkam, der sich am hinteren Teil meines Zimmers wieder findet, beschloss ich mich zur wahren Festung des Schreckens zu begeben: dem Dachboden. Ich war gespannt, was dort alles auf mich herab zu fliegen gedachte! Vielleicht sollten es die Arme einer toten Riesenspinne sein?
Tapfer schritt ich die Stufen hinauf, die Tür öffnete sich mit einem Quietschen und ich trat in ein sonderbares Reich aus flimmerndem, schwachen Licht, das durch ein kleines Fenster drang. Staubfetzen schwirrten in dem hereinfließenden Kegel aus Licht wie zarte Elfen, die munter Ringelreihen tanzten. Ich war entzückt. Ich fühlte mich, als hätte ich gerade den Wandschrank von Narnia betreten und wenn ich nur immer weiter ging, mich hindurchwühlte durch all die Kisten und Kästchen, vorbei an modrigem Leder und brüchigem Holz, dann würde ich hinein schreiten in ein Bett aus frischem Schnee, der sich kühl und sanft an meine Füße schmiegt, die bei der Hitze des heutigen Tages dringend eine Abkühlung gebraucht hätten. Ich atmete den Duft von alten Büchern ein, von angelaufenem Silber, funkelndem Gold - ich atmete Vergangenheit, Erinnerungen an weit entfernte Erlebnisse, die hier oben darauf warteten wieder entdeckt, neu erfunden, neu geliebt zu werden. Ich schloss Bekanntschaft mit plüschigen Bären und Häschen, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnerte, entdeckte kleine Puppen, edle Rösser und eine altehrwürdige Kuckucksuhr, deren Räderwerk geheimnisvoll klapperte, als ich sie andächtig in meine erstaunten Finger nahm. Die Wölfe - ähm, verzeiht - mein Kater gesellte sich zu mir, durchstöberte jeden Winkel dieses kleinen Reiches antiker Glückseligkeit, hüpfte von einem Karton zum nächsten, während sein schwarzes Fell die Farbe des Staubes annahm, der hier oben unermüdlich von einem Eck zum anderen wirbelte. Unter all den Schätzen entdeckte ich kaum etwas, was dem Flohmarkt oder dem Mülleimer würdig gewesen wäre - denn Erinnerungen und die damit verbundenen Glücks-Emotionen sind unbezahlbar. So verließ ich diesen fast magischen Ort, mein kleines, persönliches Narnia-Portal (nach einer Suche von etwa zwanzig hoffnungsvollen Minuten hörte ich auf nach hinabrieselndem Schnee und Zentauren Ausschau zu halten ...), angefüllt mit positiven Erlebnissen aus der Vergangenheit mit denen ich nun mit einem breiten Lächeln glücklich in die Zukunft blicken kann!





Kommentare:

  1. Haha na das freut mich doch!;)ich habe deinen text gerade eben kurz überflogen, da ich nicht so viel zeit habe, und muss sagen, du schreibst sehr "leicht" oder? nicht platt oder schlecht, sondern "beflügelt":') mal wieder tolle bilder dabei!♥

    Liebe Grüße(:

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  2. süß!♥ :) freut mich, dass dir das erste outfit gefällt! passt auch zu deinem schreibstil;) lockerleicht&verträumt:')!
    Liebe Grüße♥♥

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