Samstag, 14. März 2015

Ein Brief von Monsieur Selbstbewusst


Liebes Kind,

ich glaube, wir haben noch nicht Bekanntschaft geschlossen. Auch wenn du sicherlich schon von mir gehört hast und weißt, dass unter meinen besten Freunden die schillerndsten Persönlichkeiten dieser Erde gehören, möchte ich mich kurz vorstellen:

Mein Name ist Monsieur Selbstbewusst und ich hoffe doch sehr, dass dich das süffisante Gerede über mich noch nicht abgeschreckt hat. Denn böse Zungen behaupten, ich hätte ein furchtbares Aufmerksamkeitsdefizit und würde es genießen immer und überall im Mittelpunkt zu stehen und dabei meine Weltanschauung zum Besten zu geben.
Ich schreibe dir diesen Brief, weil ich dir sagen muss, dass all diese Menschen falsch liegen – und das kommt in erster Linie daher, dass sie mir noch nicht persönlich die Hand geschüttelt haben. Ein Tête-à-Tête mit dir ist schon lange überfällig und deshalb bin ich überaus dankbar, dass du dir die Zeit dazu genommen hast, meine Zeilen zu studieren.

Liebes Kind, als du auf diese Welt gekommen bist, waren wir beste Freunde. „Du wiedersprichst dir gerade selbst!“, – wirst du jetzt vielleicht denken. „Gerade eben meintest du noch, wir hätten noch gar keine Bekanntschaft geschlossen!“ Na, ich möchte es mal so ausdrücken: als wir uns prächtig verstanden haben, warst du noch nicht wirklich im Stande einen klaren Gedanken zu fassen, hast nur nach der Brust deiner werten Mama gebrüllt, in deine Windeln gepupst und dich herrlich über Zungen bleckende Gesichter amüsiert! Ja, damals wusstest du noch genau was du wolltest und hast so lange danach geschrien bis du es ... bekommen hast.

Je älter du wurdest, umso weniger haben wir uns da gesehen, weil dir deine Umwelt eingetrichtert hat, ein Umgang mit mir wäre nicht gut. Mir ist durchaus bewusst, dass du dich an all das nicht mehr erinnern kannst. Deshalb dachte ich mir: ich starte einfach mal ganz von vorne und schreibe dir einen Brief, indem ich dich unter anderem ganz ausdrücklich darum bitten möchte, deine Verbindung zu Madam Unsicherheit aufzugeben.

Aber erst einmal zu unserer Verbindung, die dir vielleicht beim ersten Gedanken noch Bauchschmerzen bereitet. „Ach, kann ich denn überhaupt?“, höre ich dich gerade seufzen. Und: „Was werden bloß die anderen denken?“ Oh weh ... möchte ich darauf nur sagen. Bitte lass uns ein für alle Mal dieses riesengroße Missverständnis auflösen, in das ich schon mit so vielen meiner Bekanntschaften gestürzt bin!
Also Erstens, habe ich nicht das Geringste mit Master Arrogant, Madam Eingebildet und Mister Selbstbezogen zu tun. Eine Freundschaft mit mir weißt diese Gesellschaft sogar ganz entschieden von sich! Ich bitte dich, Liebes Kind, nimm dir einen Moment Zeit und nehme meinen Namen auseinander – vielleicht können wir uns so Schritt für Schritt meiner wahren Bedeutung nähern!

Starten wir mit „Selbst“. Dieser Charakterzug von mir beschäftigt sich mit allem was dich betrifft – aber es geht hier vielmehr um eine eingehende Analyse dessen was du bist, was für Wünsche und Träume du hast und vor allem was dich glücklich macht. Denn das ist der erste Schritt. Damit fange ich an, sobald wir uns einmal persönlich die Hände schütteln. Ich setzte mich mit dir hin und wir sehen einmal, was für ein Mensch du eigentlich bist. 

Manchen fällt das ein bisschen schwer, weil sie bis zum Zeitpunkt unserer Bekanntschaft gesichtslos durch ihr Leben getrudelt sind und sich von einem Zufall in den nächsten schwemmen ließen. Ich bin überaus dankbar, dich darauf aufmerksam machen zu dürfen, dass dir schon immer Frau Emotion für diese Angelegenheiten zur Seite gestanden ist. Dieser Frechdachs ist ein richtig hartnäckiges Ding, musst du wissen, deshalb hat sie sich in keiner Phase deines Lebens von dir verjagen lassen. Frau Emotion und ich sind allerdings ein wahres Dream-Team, wenn wir zusammenarbeiten. Ich stelle die Fragen und sie antwortet, was sich in einem positiven oder negativen Gefühl bei dir bemerkbar macht. So kannst du langsam aber sicher aussortieren und dich Schritt für Schritt deiner Passion nähern.

Kommen wir nun zum „Bewusstsein“. Hier wird es schon etwas taffer. Denn tatsächlich reicht es nicht mich als Freund im Hinterkopf zu behalten und mir, wenn es hoch kommt, ab und zu eine SMS zu schreiben. Nein, Nein – du musst mich schon ganz und gar in dein Leben lassen. Mach dir also bitte klar, dass ich da bin. Dass ich dich führe und dass du dir keinen besseren Freund wünschen könntest, wenn es dir wirklich wichtig ist, deinen Träumen immer näher zu kommen. Mach Schluss mit Herrn Bequemlichkeit und Fräulein Stoik – diese Persönlichkeiten haben dir sowieso nie etwas Gutes gebracht. Fang lieber an bewusst zu Leben, deine Augen offen zu halten und damit keine Chance mehr zu verpassen, wenn sich vor dir gerade eine Tür öffnet durch die du unbedingt hindurchgehen solltest. Und dreimal darfst du raten: ich bin dann da und schubse dich hindurch! Kann sein, dass du dann auch mal hinfliegst, aber ich werde immer an deiner Seite sein, deine Wunden säubern und dir deine Krone wieder aufsetzten.

Und bitte habe keine Angst, dass du mit mir an deiner Seite andere Menschen in deinem Umfeld vernachlässigst. Tatsächlich ist es so, dass du dann nichts als Liebe und Respekt für dich selbst und deine Träume verspürst, was du dann gleichzeitig auch für andere Menschen empfinden kannst und damit viel offener, herzlicher und wohlwollender auf jeden zugehen wirst. Mit mir an deiner Seite ergeben sich die wunderbarsten Freundschaften, mit denen du dann den Mount Everest des Lebens erklimmen kannst!

Warum ich das alles tue, warum ich versuche dir zu helfen, warum ich immer für dich da sein werde und dich niemals fallen lasse, sobald du ja zu mir gesagt hast? Weil ich dich liebe! Jawohl! Jetzt ist es raus! Ich liebe dich! Und ganz schmalzig muss ich jetzt auch sagen: ich hoffe, wir werden für immer zusammen bleiben!  

Immer der Deine,
Monsieur Selbstbewusst



Anmerkung vom Glückskind: Tausend Dank an die reizende Dominique Weston, von der ich diese Woche Post bekommen habe! Darin befand sich das im Artikelbild gezeigte Portrait von mir. Ihr wunderbares Talent hat mich nicht nur zu dieser wunderbaren Brief inspiriert, sondern mir auch erlaubt, mich selbst einmal mit ganz anderen Augen zu betrachten! Ich werde es in Ehren halten!



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