Donnerstag, 1. November 2012

Gedanken der Nacht


Eine lange Zugfahrt mit zu wenig Schlaf und zu viel Zeit? Macht nichts! Ich schreibe!


Nürnberg – 4.50 Uhr. Wenn sich die Nacht ihr dunkelblaues Gewand umgeworfen hat, bestickt mit einer Vielzahl kleiner Diamantensplitter, versteckt hinter den dunstigen Schwaden eines fahlen Graus und begleitet von der sanften Melodie eines schlichten Nieselregens,  die Welt fast lautlos, so leise, dass man Mäuse flüstern hört, kommt es vor, dass ich mich in die Arme jenes säuselnden Nachtwindes wage der hinter der Schwelle meiner schützenden Eingangstür mit eisigem Odem auf mich wartet. 

Eingepackt wie ein kleines Kind, das Schlittenfahren gehen möchte, trete ich in das schummrige Zwielicht hinaus und atme die feuchte Luft ein. Die Welt scheint wie ausgestorben. Als ich anfange durch das mich umhüllende Dunkel zu laufen, vernehme ich außer dem kontinuierlichen Wispern des Windes und dem sanften Klatschen feinen Nieselregens nur meine dumpfen Schritte auf dem Asphalt. 

Dies ist keine normale Nacht. Ehrlich gesagt frage ich mich in diesem Moment wie viele Edward Cullens gerade noch unterwegs sind und darauf warten sich auf unschuldige Sterbliche zu stürzen. Denn es ist Halloween. Doch außer einem kleinen Trüppchen sympathischer Ghostbusters, die kontinuierlich ihre Leitmelodie grölen und jeder vorbeilaufende Passant in den lustigen Singsang mit einstimmt, ist wenig los in Nürnbergs Straßen, auch die Bahnhofstellen sind nicht gerade ein Herd des Lebens um diese Uhrzeit. Es ist ja auch wirklich eine unmögliche Zeit… 5.00Uhr inzwischen, aber das vertreibt die Müdigkeit in mir auch nicht schneller.  

Findet man doch verstreute Individuen, die sich wie ich in dem nasskalten Antlitz der Nacht verlieren, kann man die Wächter der Nacht leicht von denen des Tages unterscheiden. Beginnen wir also mit den Frühaufstehern: Oft haben sie Koffer in den Händen und wirken neben der frühmorgendlichen Zerstreutheit ziemlich wichtig. Das liegt an ihrem abschätzenden Blick der alle Passanten in einem Umkreis von vier Metern röntgt. Wahrscheinlich irritiert es sie, dass es noch andere Menschen gibt, die sich um eine derartige Uhrzeit vor die Haustür wagen. Mich zum Beispiel. 
Neben jenen Anzugträgern, die konzentriert darauf zu achten scheinen ja nicht müde auszusehen – aber vielleicht benutzen die Herrschaften auch nur ein verdammt gutes Morgenpeeling – gibt es noch jene Personen von denen man gar nicht genau sagen kann, ob sie gerade zur Arbeit gehen, nach Hause fahren oder einfach nicht mehr schlafen konnten. Sie wirken ausgeschlafen, aber auf diese unfassbare Art und Weise, dass man sich denkt: okay, betrunken sind die nicht! Auf Reisen? Nein, kein Gepäck dabei … Zur Arbeit? Hmmm … heute ist ein Feiertag. Am liebsten hätte ich meinen Olympus gezückt und ein eingehendes Interview geführt. Aber – Nein Danke, wenn ich mich selbst schon kaum gerade halten kann, wie soll ich dann mein Diktiergerät an den Mund meines Gesprächspartners halten können? 
Das Klischee als Letztes: es gibt auch welche, die man besser an ihr Bett gekettet hätte: Fahle Haut, dunkle Augenringe … naja, diese Menschen sind wahrlich nicht glücklich, mit mir in einem Boot zu sitzen, die ich da zwar auch nicht gerade besser aussehe, meine müde Fassade jedoch gut mit einem herzlichen Lächeln zu kaschieren weiß. 
Und die Wächter der Nacht? Hey, das ist ja wohl eindeutig: Die meisten unter ihnen haben etwas gerötete Augen. Viel prägnanter ist jedoch die Tatsache, dass sie sehr oft noch in Grüppchen herum torkeln und allesamt am Kichern sind, als hätten sie eine Portion Lachgas zu sich genommen, außerdem umwölkt sie eine leichte Alkohol-Fahne und würde man sie ansprechen brächten sie kein wirklich vernünftiges Wort mehr hervor außer „Dadadadadada - GHOSTBUSTERS!“ 

Wirklich, ich habe das mit meinen eigenen Ohren gehört und mit meinen eigenen Augen gesehen. Es ist ein Wunder, dass mir das bei meinen flatternden Augenlidern und dem unglaublich umständlichen Gepäck in meinen Händen überhaupt gelungen ist. Aber lassen wir meine ganzen Ausschweifungen, eigentlich wollte ich euch nur sagen: Ich hoffe ihr hattet alle eine lustige, unterhaltsame Halloween Nacht! Ich bin nun erst einmal wieder in der Stadt meines Herzens – Hamburg.


Auf bald, Glückpioniere! 
xx eure N





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