Dienstag, 25. Dezember 2012

Bescherung - Last Door TWENTYFOUR


Ein dicker Hintern schiebt sich durch unseren Kamin. In der Tat ist er derart ausladend, dass er in der halbmondförmigen Öffnung stecken bleibt. Ich lege mein Buch zur Seite und betrachte den fettesten Popo den ich je gesehen habe nachdenklich. Gehüllt hat er sich in roten Stoff, darauf folgen zwei kurze, fleischige Beinchen, die in schwarzen Stiefeln stecken. Nachdem ich mich am Kopf gekratzt habe, beschließe ich gegen jede Vernunft das gerade herein wabbelnde Männlein  für den Weihnachtsmann zu halten.
Da heute der 24. Dezember ist, wäre das zumindest naheliegend. Die rote Hose des Weihnachtsmannes ist etwas verrutscht, sodass ich beste Aussicht auf seine gepunkteten Boxershorts bekomme. Wenn das eines seiner Geschenke sein soll, möchte ich es lieber auf der Stelle zurückgeben, oder wenigstens umtauschen.
"Ähm-.", ich räuspere mich unsicher. "Darf ich - darf ich vielleicht irgendwie behilflich sein?"
Der wandelnde, apfelrote Kugelfisch erschreckt sich so sehr über die Anwesenheit einer zweiten Person, dass er mit einem schrillen Aufschrei über meinen Teppichboden purzelt und dann zu Füßen unseres hell erleuchteten Weihnachtsbaumes zum Liegen kommt.
"Verdammt!", krächzt er. "Warum bist du denn noch wach?"
"Warscheinlich, weil ich noch nicht müde bin-.", entgegne ich trocken. Da hätte er aber auch selbst draufkommen können, oder?
"Klingt logisch!", stellt der Weihnachtsmann seufzend fest. Er rappelt sich auf und fährt sich nervös durch seinen dichten, weißen Bart. Zwischen all den Haaren erahne ich zwei durchdringende blaue Augen, die nun nervös in meine Richtung glotzen. "Guten Abend!", sagt er nach einer halben Ewigkeit Schweigen schließlich.
Ich runzle nur meine Stirn. "n' Abend!", entgenge ich daraufhin.
"Ich bin - ähm, Santa!", sagt der Weihnachtsmann, als würde er tatsächlich denken, dass mir das nicht ohnehin schon klar ist.
"Natürlich!", ich nicke verständnisvoll. "Und was machen Sie hier, Santa? Sie sind etwas spät dran, meine Geschenke wurden - wie jedes Jahr - von meinen Eltern bezahlt und unter den hübschen Baum da gelegt!", ich zeige beiläufig auf den blinkenden Weihnachtsbaum in der Ecke. "Und das Buch hier-." Ich strecke ihm das Cover entgegen. "Ist von Mum!"
Santa wirkt nun äußerst verlegen. "Ich - ähm, ich bin ein amerikanischer Weihnachtsmann!"
Irgendwie klingt das sehr nach einer Ausrede. "Und?", säusle ich und blättere beiläufig in meinem neuen Buch.
"Das heißt, ich schenke erst am 25. Dezember - nicht am 24.! Ich dachte hier sind schon alle am Schlafen und dann-.", unter der weißen Haarpracht wird sein Gesicht so knall rot wie sein lächerliches Kostüm. "Bin ich stecken geblieben, weil ich einmal zu viel nach Mrs. Clause Plätzchen gegriffen habe!"
"Es könnte helfen, wenn Sie anfangen würden den Schlitten selbst zu ziehen und ihren Rehntieren auf dem Dach mal ne Pause gönnen! Der Sport wird Ihnen gut tun!", ich lächle und Santa erwidert es so entusiastisch, als hätte ich gerade ein neues Naturgesetzt aufgedeckt.
"Jedenfalls, müssen wir jetzt warten!", er grunzt auf und lässt sich auf unserem Sofa nieder. 
"Warten?", ich ziehe eine einzelne Augenbraue hoch. "Auf was?"
"Na auf die Geschenke!", meint Santa gedehnt. "Es dauert noch etwas, bis sie hier ankommen ... nicht vor dem 25. - ich erwähnte es bereits!"
Ich nicke zustimmend. Schon komisch, jetzt sitzt mir der Weihnachtsmann gegenüber, wir haben kaum Worte gewechselt, aber ich kenne bereits die Musterung seiner Unterhose ... "Haben Sie was dagegen -.", ich fuchtle mit meinem Buch umher. "Wenn ich weiterlese?"
Er schüttelt nur den Kopf. "Nur zu - die Geschenke sind gleich hier! Nur noch etwas Geduld! Wenn der Zeiger die Zwölf überschritten hat, dann wirst du reichlich belohnt!"
Und als dem so kommt, als der Zeiger der Uhr die Zwölf abklatscht und in Richtung Eins davon schreitet... kann ich mein Glück kaum fassen!

Besinnliche Festtage meine charmanten Freunde! 

Und viel Vergnügen mit meinem Geschenk an euch!

 xx N 





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