Donnerstag, 17. Dezember 2015

7 Milliarden Geschichten und deine mittendrin!


Ich muss gestehen, ich verspürte schon immer ein gewisses Maß an Verwunderung, wenn mir jemand gegenüber saß, verständnisvoll nickte und sagte "Ich weiß genau, was du meinst!" Und ich erinnere mich an wenigstens ein duzend Mal, als ich genau diese Worte selbst schon gebraucht habe und dabei sicherlich nichts Böses im Schilde führte.
Doch wenn ich mit einer dampfenden Tasse Tee am Fenster meines Turmzimmers im GLÜCKSnest sitze, kommt es schon einmal vor, dass ich anfange über jene - auf den ersten Blick so gewöhnlichen - Worte zu sinnieren, während das Kraulen von Topolinos Hinterkopf diesen Denkprozess zu beschleunigen weiß.

Dienen Worte nicht eigentlich im besten Fall dazu, einen Sachverhalt hundertprozentig wahrheitsgemäß wieder zu geben? Und könnte ich mich dann jemals dazu herablassen zu behaupten ich wüsste genau, was andere dachten oder fühlten? 

Wären wir Menschen Bücher und das Leben eine riesige Bibliothek, so könnten wir feststellen, dass wir doch alle in den selben, schön polierten Regalen stehen, uns an den Rücken des jeweils anderen schmiegen, so vielleicht Halt bekommen und nicht umfallen. Aber hat jemand jemals ein Buch gesehen, das aufgestanden ist und dazu fähig war in einem anderen Buch zu lesen? Es mag ja sein, dass es möglich ist, dass in zwei unterschiedlichen Büchern, die selben Worte stehen und doch können sie davon einander nur erzählen, ohne wirklich völlig und ganz die Geschichte des anderen zu kennen. 

Jedes Buch bleibt also in seiner eigenen Geschichte gefangen und je nachdem, was in seinen vorherigen Kapiteln steht, verknüpft es die Erzählungen der anderen mit persönlichen Erfahrungswerten, die dann letztlich eine neues Kapitel ergeben, von dem wir denken, es würde dem in einem anderen Buch vielleicht besonders ähnlich sein. Vielleicht wäre es also angebrachter zu behaupten, dass wir eine Interpretation erschaffen, die wir dann, geknüpft an gemachte Erfahrungswerte, in der Realität heraufbeschwören. 

Das Leben ist doch nichts weiter, als das Spiegelbild unserer Gedanken. Schon Descartes wusste: Ich denke, also bin ich. Also müssten wir schon Gedanken lesen können, um ein "Ich weiß genau was du meinst!" mit reinem Gewissen heraus zu bringen. Obwohl ... falsch! Denn unsere Gedanken sind wiederum an unsere Emotionen, an die Farben unserer Seele gebunden und so bleibt uns im Leben eigentlich nichts weiter übrig, als eine ständige Interpretation und die Verknüpfung von Erlebnissen und Erfahrungen. Die einzige Wahrheit die also existiert, ist unsere eigene - die, die wir uns selbst erschaffen haben. 

Besonders prägnant fällt dies wahrscheinlich ins Gewicht, wenn wir über etwas verärgert sind, wobei sich viele ganz schnell den Bach ihrer Emotionen hinunter reißen lassen, anstatt einmal einen Schritt zurück zu treten, und die Situation von außen zu betrachten und sich bewusst zu machen, dass unser Leben tatsächlich nicht das ist, was es uns gibt, sondern das was wir daraus machen. 

Aber nun, was weiß ich schon - schließlich sind das ja auch nur meine Worte und ich bin mir nicht sicher, ob sie irgendwo da draußen auch in anderen Büchern stehen. Doch ist es nicht ein zum Nachdenken anregender Gedanke, dass wir - so sehr wir es auch versuchen - niemals gänzlich in die Köpfe der anderen eindringen werden, sondern einzig und allein aus dem Territorium unserer eigenen Wirklichkeit agieren? 

Aber genug der schweren Kost! Das nächste Mal gibt es statt eines philosophischen Schweinebratens wieder ein locker leichtes Himbeer Sufflé! Verdaut erstmal in Ruhe. Topolino guckt auch schon, als wäre er dabei ein Haarknäul an Fragezeichen hochzuwürgen. Und wer ein paar Worte dazu verlieren möchte, darf das natürlich sehr gerne tun. Ich freue mich immer über interessante Anregungen, zu meinen manchmal etwas wirren Gedankenergüssen.



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